Gast (Ingrid)
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Das Bettelkind von Theodor Storm #1
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Datum: 05.12.2003 , 09:21
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Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten war´s; durch alle Gassen scholl Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschenstrom mich fortgespült, Drang´mir ein heiser´Stimmlein in das Ohr: 'Kauft, lieber Herr!' Ein magres Händchen hielt Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.
Ich schrak empor, und beim Laternenschein Sah ich ein bleiches Kinderangesicht; Wes Alters und Geschlechts es mochte sein, Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.
Nur von dem Treppenstein, darauf es saß, Noch immer hört´ich, mühsam, wie es schien: 'Kauft, lieber Herr!' den Ruf ohn´Unterlaß; Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich?-War´s Ungeschick, war es die Scham, Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? Eh´meine Hand zu meiner Börse kam, verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein, Erfaßte mich die Angst im Herzen so, Als säß´mein eigen Kind auf jenem Stein Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
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